21. Musikfest Bad Bramstedt: Warum die Planung von 70 Konzerten mit 31 Orchestern schwieriger geworden ist
Vom 26. Juni bis zum 28. Juni 2026 richten das BT Orchester Bad Bramstedt und der Förderverein Blasmusik e.V. das 21. Internationale Musikfest aus. 950 Musiker aus sechs Nationen, nämlich Dänemark, Norwegen, Schweden, den Niederlanden, Frankreich und Deutschland, werden erwartet. Seit 2003 sorgt Klarinettistin Jessica Tonn dafür, dass alle 32 Orchester auf die 70 Konzerttermine auf den vier Bühnen im Festzelt, auf dem Bleeck, im Kaisersaal und auf der Osterauinsel verteilt werden. Im Interview berichtet die 49-Jährige über die Herausforderungen bei der Konzertplanung.
Wann haben Sie mit der Konzertplanung für das 21. Internationale Musikfest in Bad Bramstedt begonnen?
Jessica Tonn: Ich habe Anfang des Jahres angefangen – relativ kurz nach Silvester – mit den ersten Planungen. Dann ging die erste Version an die einzelnen Vereine, um abzustimmen, ob das alles so für sie passt. Das ging ein paarmal hin und her, da es doch einige Änderungswünsche gab. Mittlerweile sind wir in der Version Nummer sechs, aber das ist jetzt auch die finale Version. Bis zum 30. Mai muss alles stehen, dann wird das Konzertprogramm gedruckt. Jetzt gibt’s dann auch keine Änderungen mehr.
Wonach richtet sich, wer welchen Konzertplatz bekommt?
Jessica Tonn: In erster Linie richtet sich das danach, wann welches Orchester überhaupt an- bzw. abreist. Die Musiker sind ja zwischen Freitag und Sonntag des Musikfestes in Bad Bramstedt und möchten dann auch ihre Konzerte geben. Manche sind Freitagmorgen schon da, manche kommen erst spät abends – die können wir dann natürlich freitags nicht einsetzen. Ich gucke immer genau: Wer reist wann an, wer reist wann ab? Das Ziel ist, dass jedes Orchester an jedem Tag des Musikfestes mindestens ein Konzert spielt. Wir versuchen darauf zu achten, dass sie nach Möglichkeit ein Konzert abends und eins am Nachmittag spielen, damit das ein bisschen gleichmäßig verteilt ist. Die Abendtermine, gerade im Festzelt, sind bei den Orchestern natürlich die beliebtesten Zeiten.
Geben die Orchester auch Wünsche an, wenn sie kommen?
Jessica Tonn: Ja, tatsächlich. Die Orchester aus dem Umkreis sagen uns zum Beispiel, ob sie eher am Samstag oder nur am Sonntag da sind, weil die meistens nicht das ganze Musikfest dabei sind, sondern nur für ihr Konzert anreisen. Aber es gibt eben auch Vereine aus dem Ausland, die Wünsche angeben. Ein Klassiker ist das norwegische Orchester Oppsal Janitsjar. Die spielen eigentlich immer freitagabends um 22.30 Uhr im Festzelt. Die machen einfach ein tolles Programm und fragen auch extra immer, ob sie das wieder machen dürfen. Da es uns und denen Spaß macht, dürfen sie dann natürlich auch immer spielen.
Was sind die besonderen Herausforderungen der Konzertplanung, insbesondere in diesem Jahr?
Jessica Tonn: In diesem Jahr ist die besondere Herausforderung, dass die Verbindlichkeit nicht mehr so da ist wie in früheren Jahren. Wir haben zwar Anmeldungen, dass Orchester zu einer bestimmten Uhrzeit anreisen, aber dann sind sie leider zum Teil noch nicht spielfähig, weil Musiker erst später nachkommen. Diese Info fehlte uns im Vorfeld. Eine andere Herausforderung ist, dass auch nicht mehr alle Orchester besetzungstechnisch vollumfänglich spielfähig sind und manchmal Unterstützung von anderen Orchestern brauchen. Das ist ein Phänomen, das wir hier in der Umgebung von Bad Bramstedt haben, aber das betrifft mittlerweile auch die Skandinavier – bestimmte Orchester sind dort nur spielfähig, wenn aus den anderen Orchestern Musiker einspringen. Das macht es dann in der Konzertplanung nicht so einfach, da diese Orchester auf gar keinen Fall gleichzeitig spielen könn.
Das BT Orchester spielt am Samstagabend im Zelt. Das ist eine Premiere, oder?
Jessica Tonn: Wir spielen tatsächlich das erste Mal am Samstagabend. Das war ein großer Wunsch unserer ausländischen Gäste, weil sie uns beim Eröffnungskonzert häufig nicht hören konnten, da sie bei den letzten Musikfesten zu der Zeit selber schon Konzerte hatten oder schlichtweg gar keine Karten mehr bekommen haben. Und auch unser Orchester hat es sich sehr gewünscht, einmal bereits am Samstagabend auf der Bühne zu stehen.. Es ist allerdings schon eine logistische Herausforderung für uns, weil uns unterm Strich auf dem Musikfest dadurch knapp 70 freiwillige Helfer fehlen, da wir dann alle auf der Bühne sitzen.
Welche Aufgaben haben die BTO-Musiker während des Festes?
Jessica Tonn: Nicht nur das Organisationsteam mit Dr. Malte Noack, Maike Fraikin und mir sowie der Vorstand des BT Orchesters und des Fördervereins Blasmusik e.V. sind gefordert, jeder einzelne Musiker packt mit an. Für jedes der Konzerte auf vier verschiedenen Bühnen gibt es Konzertaufsichten aus zwei Leuten, die Fragen beantworten und dafür sorgen, dass die Zeitpläne eingehalten werden. Jedes Orchester hat zudem einen festen Ansprechpartner aus dem BT Orchester. Die Kasse im Festzelt wird am Samstag und am Sonntag in drei Schichten von je drei unserer Mitgliedern besetzt. Dazu kommen Auf- und Abbauten. Es gibt von morgens bis in die Nacht etwas zu tun und dann möchten wir ja auch noch andere Orchester hören und feiern. Es ist viel Arbeit, aber wir alle freuen uns wahnsinnig auf das 21. Internationale Musikfest.